Tabuthema: Eifersucht und Neid in der Partnerschaft

Wer ist schon gern eifersüchtig, oder gar neidisch? Niemand! Und schon gar nicht in der Partnerschaft und noch viel weniger geben dies auch noch zu. Neid und Eifersucht werden, auch in Paartherapie häufig synonym verwendet, meinen jedoch nicht das gleiche. Beides sind Emotionen, basierend auf emotionale Unreife, stiften Unfrieden und Schmerz und vergiften unseren Lebensalltag.

Die meisten Menschen glauben, Ihre Emotionen zu sein; „Ich BIN so!“ Auch in der Paartherapie ist das häufig Gegenstand der Betrachtung. Tatsache ist aber, dass wir unsere Emotionen zwar deutlich spüren, sie jedoch nur Warnleuchten für tieferliegende Verletzungen sind, die wahrgenommen werden wollen. Und wir sind diesen Emotionen nicht schutzlos ausgeliefert. Wir sind für sie verantwortlich und können sie steuern.

In der Praxis, auch in der Paartherapie über Ängste, Verlust und erlittenes Leid zu sprechen gelingt meist sehr rasch. Eifersucht und Neid sind Emotionen, die schambesetzt sind und über die niemand gern spricht, geschweige denn Verantwortung für diese übernimmt. Diese Emotionen, Triebfeder unserer individualistischen und kapitalorientierten Gesellschaft, sind in Partnerschaften unpopulär und toxisch.

Wie Neid und Eifersucht unterscheiden?

Das körperliche Missempfinden bei Neid und Eifersucht ist nahezu identisch, der Auslöser jedoch sehr unterschiedlich.

Eifersucht:

Sie haben Geld, einen Titel, Anerkennung, einen unglaublich tollen Partner oder ein besonderes Statussymbol und fühlen den Status Quo durch das Interesse eines Dritten daran bedroht.

Eifersucht basiert auf den Troll Verlust. Verlustängste begleiten uns schon seit Kindesbeinen an und können sich auf Alles und Jeden beziehen. Je nach emotionalem Reifegrad lernen wir, diese Verlustgefühle der Kindheit als Erwachsene realistisch einzuordnen und die Gefühle angemessen zu kanalisieren. Gelingt das nicht, oder werden wir in unseren Verlusten bestätigt, kommt es zu unangemessener bis hin zu krankhafter Eifersucht. Eifersucht ist eine schambesetzte Emotion, die im Erwachsenenalter Bedeutung meist in Paarbeziehungen findet.

Neid:

Neid und Eifersucht sind nicht ganz trennscharf als Emotionen zu unterscheiden und überlagern sich häufig in der Praxis. Die Ursache unterscheidet sich dahingehend, dass Eifersucht sich auf etwas bezieht, dass wir HABEN und dessen Verlust wir befürchten, Neid ist ein Gefühl von Mangel in Hinblick auf das, was ANDERE haben und wir uns für uns selbst wünschen (sozialer Status, Geld, Güter, Anerkennung, Qualität oder Quantität von Partnerschaft und Beziehungen)

Man unterscheidet 3 Formen des Neides, der in der Praxis der Paartherapie nicht selten vorkommt, jedoch mit dem jeweiligen Partner selbst zu tun hat, weniger mit der Ursprungsqualität der Partnerschaft.

Bewundernder Neid

Bewundernder Neid nimmt das Glück des anderen als Inspiration. Diese Form des Neides nutzt das Gegenüber als Vorbild und Messlatte sich selbst zu entwickeln und voran zu kommen.

Depressiver Neid

Depressiver Neid ist nicht konstruktiv. Er frisst sich in die Seele, frustriert, hilft aber nicht dabei, an der eigenen Situation etwas zu verbessern.  Verdrängen, ablenken, aber auch Niederreden des Erfolges Anderer sind typische Verhaltensweise bei depressivem Neid.

Feindseliger Neid

Kaum zu sagen was schlimmer ist, der depressive oder der feindselige Neid. In beiden Fällen geschieht nichts Konstruktives. Menschen die unter feindseligem Neid leiden werden keine Gelegenheit ungenutzt verstreichen lassen den Anderen zu denunzieren, auszutricksen um weitere Erfolge zu verhindern, oder den Mitmenschen die Erfolge madig zu reden. Dramatisch nur, dass in die Intrigen so viel Energie fließt, dass keine Kraft mehr für das eigene Vorankommen übrigbleibt.

Destruktiver Neid kann körperlich krank machen! Es wurde nachgewiesen, dass destruktiver Neid, den Betroffene buchstäblich in sich hineinfressen, Übergewicht, Magen-Darmerkrankungen und Erkrankungen des Herz- Kreislaufsystems hervorrufen können.

 

Neid auf den Partner

Neid ist ein schambesetztes, gesellschaftlich nicht toleriertes Gefühl, mit dem die wenigsten Menschen offen umgehen. Neid in der Partnerschaft wird tabuisiert.

Neidisch auf den Partner zu sein bedeutet, sich diesem unterlegen, unzulänglich und übervorteilt zu fühlen. Man fühlt sich nicht (mehr) partnerschaftlich verbunden, sondern in Konkurrenz zueinander.

Hinter dem Troll Neid steht eigentlich der Wunsch nach Liebe, Verständnis und Erfolg. Oft aber auch Unabhängigkeit, Kontrolle und die Möglichkeit den eigenen Weg zu gehen. In manchen Beziehungsstrukturen hat der individuelle Lebensentwurf wenig Platz neben den Bedürfnissen und Wünschen des Partners, oder der vorangegangenen Vorstellung von Beziehungsdefinition. Hat der Neid die Beziehung erst einmal fest im Griff, hilft häufig nur die Trennung, oder eine Paartherapie.

 

Aus meiner Erfahrung in der Paartherapie, können Ihnen folgende Gedanken eine Hilfestellung geben:

  • Habe ich ein Ziel, dass mich erfüllt, interessiert und dessen erreichen mich mit Stolz erfüllen würde?
  • Habe ich einen konkreten Plan, wie ich dieses Ziel erreichen kann?
  • Habe ich die Kapazitäten und Ressourcen (in der Partnerschaft) diesen Plan umzusetzen?
  • Warum ist es wichtig, dass ich genauso gut in etwas bin, wie mein Partner? Welchen Gewinn hat das für meine Partnerschaft?
  • Welche Sehnsüchte und Wünsche verbergen sich hinter meinem Neid?
  • Ist meine Partnerschaft die feste Basis, in der ich meine Wünsche entwickeln kann. Erlebe ich meinen Partner hier als Stütze?
  • Was macht mich in dieser Partnerschaft aus? Warum bin ich unerlässlich für das Gelingen der Beziehung?

Und nicht zuletzt. Nehmen Sie das Gefühl von Neid an, es will Sie auf etwas Verborgenes hinweisen.

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