Toxische Beziehungen

Ich möchte mich herzlich bei meiner Klientin Sandra H. für das Überlassen ihrer Geschichte, die typisch ist für toxische Beziehungen, bedanken. Ich habe den Namen verfremdet, von der Geschichte darf ich verwenden was ich brauche um Ihnen ein Bild zu zeichnen.

Schleichendes Gift

Sandra H. fühlt sich müde. Sie ist immer wieder krank, hat die seltsamsten Symptome. Einmal wacht sie morgens auf und ist fast blind. Jeder Lichtstrahl ist so gleißend hell, dass sie mit einer Sonnenbrille in der abgedunkelten Wohnung sitzen muss. Ein anderes Mal bekommt sie hohes Fieber und hat keine Kraft mehr, aus dem Bett aufzustehen. Später, sie hat immer wieder gute, produktive Phasen dazwischen, bekommt sie Herzrhythmusstörungen. Diese werden so schlimm, dass sie nachts nicht mehr schlafen kann, weil sie panische Angst hat zu sterben.

Niemals finden die Ärzte eine Ursache, weder Hausarzt noch Spezialisten.

Sandra arbeitet halbtags, ist immer häufiger krankgeschrieben. Wenn sie arbeitet, kommt es immer häufiger vor, dass sie Dinge vergisst, Aufträge doppelt erledigt, oder manchmal Menschen vor ihr stehen, die behaupten, es habe eine Woche zuvor ein Treffen gegeben und Sandra kann sich beim besten Willen keinen Reim darauf machen, wen sie vor sich hat. Und dann dieser dichte Nebel im Kopf. Der Gedanke verrückt zu werden, vielleicht frühdement, nimmt immer mehr Raum ein.

Wieder geht sie zu ihrem Hausarzt. Sie beschreibt weinend die Symptome, berichtet ihm von ihren Ängsten. Der Arzt schaut sie lange nachdenklich an. Dann lächelt er ein müdes aber mildes Lächeln und sagt ihr, sie habe Stress.

Sandra ist völlig empört. Das soll die Diagnose sein? Stress? So einfach?

Sie muss zugeben, dass sie schon lange nicht mehr gut schlafen kann, plastische Albträume suchen sie heim. So real, dass sie manchmal aufwacht und ihr der Schrei in der Kehle stecken bleibt. Die Beziehung zu Hartmut ist im Moment auch nicht so erfüllend, wie sie sich das wünschen würde.

2 Jahre zuvor ist Hartmut fast mit dem gesamten Vermögen pleite gegangen, weil er sich nicht hat von einem riskanten Geschäft trennen können. Er bekam eine depressive Episode und zog sich zurück, redete kaum noch mit Sandra. Und plötzlich, wie aus dem Nichts fing er wieder an Geschäfte zu machen, wie ein Besessener.

Manchmal war er bis tief nachts nicht zu Hause und schlief dann am Morgen lange. Und er schwitzte nachts. Nicht so ein schwitzen, als wäre die Bettdecke die falsche für die Jahreszeit. Sandra musste manchmal 2 -3 x nachts das Bett komplett abziehen, weil es nass war, als hätte jemand einen Eimer Wasser über Hartmut gegossen. Sie macht sich Sorgen, er wiegelt ab.

Zeitweise scheint es, Hartmut ginge ihr aus dem Weg. Geht arbeiten, wenn Sandra nach Hause kommt und kommt wieder, wenn sie bereits schläft. Manchmal sahen sie sich tagelang nur, um sich die Klinke in die Hand zu geben.

Hartmut war in dieser Phase oft nachdenklich, oder euphorisch, oder ablehnend, oder wütend. Egal welche Stimmung, Sandra bekam sie ab. Manchmal brach er aus dem nichts einen Streit vom Zaun, weil sie sein Hemd nicht richtig gebügelt hatte, oder weil das Brot nicht frisch vom Markt war. Aber er wurde nie ausfallend, er zog sich einfach in sein Arbeitszimmer zurück und wollte nicht gestört werden. Sandra bettelte nahezu um Aufmerksamkeit, ging immer häufiger in sein Arbeitszimmer mit der Bitte um eine Umarmung. Manchmal tat er das auch, meistens schickte er sie einfach weg.

All das konnte Sandra verzeihen. Hartmut wollte ihren Lebensstandard halten. Hartmut wollte ihr das Leben bieten, dass sie verdient habe, eine Chance, die er, wie er sagt, ergreifen würde, hätte er sie jemals bekommen.

Dann, an einem Ostersamstag brach das los, was Sandra später als ihren persönlichen Überlebenskampf bezeichnen wird.

Sandra und Hartmut hatten mal wieder eine ausschweifende Party hinter sich, dass einzige was sie noch zusammen taten, Drogen, Alkohol, liebloser, leistungsorientierter Sex fast wie aus einem Pornofilm. Aber auch tiefe Gespräche, die sich anfühlen, wie auf Seelenebene geführt. Sandra merkt immer mehr, dass etwas nicht stimmt. Die Kratzer auf Hartmuts Rücken vom Sport, das Handy, dass so oft angeblich keinen Empfang hat. Zweifel machten sich ganz leise bemerkbar. Einmal, er ist wieder sehr knapp am Telefon, bricht eine innere Stimme in ihr Bewusstsein „Er betrügt dich!“. Im selben Moment schimpft sie mit sich selbst. „Der arme Mann reißt sich ein Bein aus für eure Zukunft und du hast solche schlechten Gedanken, schäm dich Sandra!“. Sie erzählt ihm davon, lacht. Er versichert ihr, dass sie sich das einredet. Er verspricht ihr am nächsten Tag mit ihr zu reden, nüchtern und ehrlich, nur nicht heute Abend.

Am nächsten Tag fährt Hartmut mit Sandra an ihren gemeinsamen Lieblingsplatz. Er zögert, ist in sich gekehrt. Sandras Gedanken rasen, drehen sich im Kreis, befeuern sich immer wieder um sich dann wieder selbst zu beruhigen. Plötzlich sagt er die Worte, die alles auf den Kopf stellen werden. „Ich glaube, ich habe dich irgendwie betrogen…! Dann fällt der Vorhang.

Sandra ist zu diesem Zeitpunkt Mitte dreißig, Hartmut Anfang fünfzig. Sie sind gerade sechs Jahre zusammen.

Liebe Leserin/ lieber Leser. Schön, dass Sie noch dabei sind.

In meiner täglichen Praxis beschäftige ich mich mit den Sorgen, Problemen und Nöten des alltäglichen (Miteinander) Lebens, aber auch mit einem besonderen Feld das mir sehr am Herzen liegt, toxische Beziehungen. Das sind Beziehungen, die nicht nur einfach ein bisschen anstrengend, oder schräg sind. Diese Form der Beziehungen zeichnet sich dadurch aus, dass beide Partner emotional hoch bedürftig sind. Der eine nimmt, saugt alle Emotion, jede Energie von dem anderen ab, bis von diesem nur noch eine leere, depressive Hülle übrigbleibt.

Und toxische Beziehungen sind als solches nicht sofort zu erkennen. Der Höhenflug zu Beginn der Beziehung ist so euphorisierend, märchenhaft, einzigartig, dass er lange nachhallt.

Opfer toxischer Beziehungen erkennen erst, wenn die Karten auf dem Tisch sind, was ihnen angetan wurde, manchmal selbst dann noch nicht.

Vielleicht erkennen sie sich in Teilen der Geschichte wieder, vielleicht lässt dieses Beispiel eine Saite in Ihnen klingen. Eine Ahnung, ein Flüstern. Oder ihr Partner ist schon entzaubert und sie stehen vor dem Scherbenhaufen.

Herzlichen Glückwunsch, Sie sind ein Glückspilz und haben ein Geschenk bekommen, dass vielen verwehrt bleibt. Die Auswirkungen einer toxischen Beziehung erschüttert Betroffene bis auf die Grundmauern und geben Gelegenheit, alle inneren Blockaden, falsche Glaubenssätze von sich selbst und Verhaltensweisen, die sie in diese Situation gebracht haben, zu erkennen und aufzulösen. Das tödliche Gift kann zum heilenden Serum werden.

Ich werde in weiteren Blogeinträgen und an dem Beispiel von Sandra und Hartmut deutlich machen, was toxische Beziehungen sind, welche Besonderheiten beide Partner haben und warum genau diese Konstellation so hoch brisant ist. Wir werden Sandra und ihre Geschichte näher kennenlernen. Ich werde versuchen Ihnen anhand der reellen Begebenheiten die Theorien zu Narzissten, Psychopathen, abhängigen Persönlichkeiten und unterschiedlichen Beziehungskonstellationen und Mustern zu erklären. Aber Sie werden auch erfahren, wie sie gemachte Erfahrungen zum Guten ändern und heilen können.

Sie fühlen sich angesprochen? Ich unterstütze Sie gern persönlich in ihrem Heilungsprozess, ganz gleich, in welcher Phase sie sich befinden. Rufen Sie mich an.

Ihre Luciana Obermann

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